Auch das ist Sachsen-Anhalt. Auch das ist die Börde.

Am Wahlabend war die Börde ein Landkreis, der alle drei Direktmandate an die AfD gegeben hat. Das steht in den Zahlen, und es wird eine Weile über allem stehen, was hier passiert.

Deshalb erzählen wir jetzt die andere Hälfte. Nicht als Trost. Weil sie genauso wahr ist.

Auch das ist die Börde:

15 Grüne aus Hannover, die an einem Sonntag im August nach Wolmirstedt fahren, um bei einem Wahlkampf zu helfen, der nicht ihrer ist. Der Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt steht an einem Infostand in der Schlossdomäne und redet mit Leuten, die ihn nicht kennen. Solidarität kennt keine Landesgrenzen — an diesem Tag war das kein Satz, sondern ein Anblick.

Auch das ist die Börde:

ein Wochenende Mitte August, an dem knapp 2.000 Flyer in Wanzleben, Oschersleben, Alten- und Osterweddingen in Briefkästen landen. Bei Hitze, zu Fuß, Straße für Straße. Und vor dem Freibad Niederdodeleben zwei Leute mit einem Stand, die dafür sorgen, dass an diesem Nachmittag im Becken auffällig viele Bälle mit „Nur mit Grün!“ unterwegs sind. Wahlkampf muss nicht verbissen sein.

Auch das ist die Börde:

ein Nachmittag auf dem Markt in Gröningen, an dem alles besser lief als gedacht. Gute Stimmung, friedliches Beisammensein, viele echte Gespräche. Und dabei die Entdeckung, dass sich in Ausleben monatlich Menschen zum Thema Naturschutz treffen und anderswo Leute regelmäßig zusammenkommen, um öffentliche Grünflächen zu erhalten. Wir kamen, um über unsere Politik zu sprechen, und gingen mit einer Liste von Menschen nach Hause, die längst tun, wovon anderswo geredet wird.

Auch das ist die Börde:

30 bis 40 Menschen an einem Dienstagabend Anfang September in der Villa Lilo in Haldensleben. Kein Podium, keine langen Reden — nur Fragen an den Bundesvorsitzenden unserer Partei, Felix Banaszak, und Antworten darauf. „Ihr die Fragen. Wir die Rechnung“ hieß das Format, und es wurde gefragt: über alles, was die Anwesenden gerade bewegte. In einer Region, in der Politik oft als etwas gilt, das weit weg passiert, ist ein Gastraum mit ehrlichen Fragen keine Selbstverständlichkeit.

Auch das ist die Börde:

eine Wanderung Anfang September rund um das geplante Abbaugebiet am Flechtinger Höhenzug. Menschen, die seit Jahren nicht lockerlassen, weil ihnen ein Stück Landschaft etwas bedeutet. Am Ende ein Picknick in Rätzlingen. So sieht Widerstand hier aus: nicht laut, sondern beharrlich.

Auch das ist Sachsen-Anhalt:

3.000 Menschen, die im August beim Christopher Street Day durch die Magdeburger Innenstadt ziehen. Dreitausend. In einem Bundesland, in dem uns erzählt wird, für so etwas sei hier kein Platz.

Auch das ist Sachsen-Anhalt:

ein Sommerfest, bei dem Politik einfach ein schöner Nachmittag mit netten Menschen ist. Kinder, Kuchen, Gespräche im Gras. Auch das gehört dazu, und wir behaupten nicht, dass es das Wichtigste ist — aber ohne solche Tage hält niemand einen Wahlkampf durch.

Und auch das ist die Börde:

6.484 Menschen, die uns ihre Zweitstimme gegeben haben. In Haldensleben 1.984, in Wolmirstedt 2.758, in Oschersleben-Wanzleben 1.742. Menschen, die das getan haben, obwohl sie ahnten, wie der Abend ausgeht. Die im Zweifel im eigenen Dorf allein damit sind.

Zwischen Elbe-Heide und Westlicher Börde, zwischen Oebisfelde-Weferlingen und dem Sülzetal leben Tausende Menschen, die etwas anderes wollen. Sie fallen nur nicht auf, weil sie über die Fläche verteilt sind. Genau das ändern wir.

Vom 7. bis 21. September holen wir unsere Plakate wieder ein. Danach machen wir weiter. Wer mitkommen möchte — auch beim Abhängen — ist willkommen.

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