Nach der Wahl: Wir bleiben. Und wir hören nicht auf.

Am 6. September hat Sachsen-Anhalt gewählt, und das Ergebnis ist eine Ansage. Die AfD hat ihren Stimmenanteil von 20,8 auf 43,8 Prozent mehr als verdoppelt. In der Börde hat sie alle drei Direktmandate geholt. Die CDU ist von 37,1 auf 17,2 Prozent abgestürzt. Bei einer Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent — dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung — haben so viele Menschen wie nie gewählt. Und eine sehr große Zahl von ihnen hat sich für eine Partei entschieden, deren Landesverband das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Wir werden das nicht kleinreden und wir werden uns nicht daran gewöhnen. Aber wer glaubt, damit sei die Sache entschieden, hat nicht verstanden, wie Demokratie funktioniert. Eine Wahl ist ein Zwischenstand, kein Urteil.

Und dieser Zwischenstand hat eine zweite Zeile. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind von 5,9 auf 8,9 Prozent gestiegen — das beste Ergebnis, das unsere Partei bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt je erreicht hat. Uns wurde jahrelang erklärt, wir seien im Osten erledigt. Wir sind es nicht.

In der Börde haben uns 6.484 Menschen ihre Zweitstimme gegeben: 1.984 im Wahlkreis 7 Haldensleben (6,1 Prozent), 2.758 im Wahlkreis 8 Wolmirstedt (7,8 Prozent) und 1.742 im Wahlkreis 9 Oschersleben-Wanzleben (5,5 Prozent). Bei den Erststimmen kam Kristin Schuller auf 3,1 Prozent, Stefan Lehfeld auf 2,7 und Philipp Händler auf 2,2. Das sind in einem Landkreis, in dem grüne Politik unter Dauerbeschuss steht, keine Randnotizen. Das sind 6.484 Nachbarinnen und Nachbarn, die sich für ein anderes Sachsen-Anhalt entschieden haben, obwohl sie wussten, dass sie damit in ihrem Dorf womöglich allein dastehen. Vor diesem Mut haben wir Respekt.

Danke an unsere drei Direktkandidat:innen. Philipp Händler, Stefan Lehfeld und Kristin Schuller haben monatelang gemacht, was in dieser Region niemand nebenbei macht: sich hinstellen, ansprechbar bleiben, ruhig bleiben, wenn andere es nicht sind. Ihr habt euch nichts vorzuwerfen. Ihr habt die Arbeit gemacht.

Danke an unsere aktiven Mitglieder. Rund 2.000 Flyer an einem einzigen Wochenende in Wanzleben, Oschersleben, Alten- und Osterweddingen. Stände auf Märkten und vor dem Freibad. Plakate, Wanderungen, hunderte Gespräche an Gartentoren und Marktständen. Der Landesverband nennt diesen Wahlkampf den größten und intensivsten, den grüne Politik in Sachsen-Anhalt je geführt hat. In der Börde hat ihn eine Handvoll Leute gestemmt.

Danke an alle, die dafür Urlaub genommen haben — vor allem an die, die dafür extra angereist sind. Wer freie Tage darauf verwendet, in der Börde Flyer auszutragen, tut das nicht für ein Prozentergebnis. Er tut es, weil ihm dieses Land nicht gleichgültig ist. Das rechnen wir hoch an.

Bitter bleibt trotzdem: Viele haben uns gewählt in der Hoffnung, damit eine rechtsextreme Regierung verhindern zu können. Unsere Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat den Wahlabend deshalb als „kein Tag zur Freude“ bezeichnet und zugleich gesagt, es gehe jetzt darum, diese Hoffnung zu erfüllen. Genau so verstehen wir das Ergebnis: nicht als Trost, sondern als Auftrag.

Was das für die Börde heißt, ist ziemlich unspektakulär und ziemlich anstrengend: dranbleiben. Am Steinbruch im Flechtinger Höhenzug. An der Kita, die im Dorf bleiben soll. Am Tierheim. An der Frage, wer hier eigentlich noch mitreden darf und wer nicht. Wir sind ein kleiner Kreisverband — aber wir sind der, der nicht wegzieht.

Und wir sind nicht fertig. Am 13. und 20. September wird in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Die Energie aus diesem Wahlkampf geben wir dorthin weiter.

Sie wollen, dass sich hier etwas ändert? Dann bleiben Sie nicht Zuschauerin. Schreiben Sie uns eine E-Mail.

Gerade jetzt.