Familien auf dem Land: kurze Wege, verlässliche Betreuung, ein Bus, der kommt

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Ob eine Familie in der Börde bleibt, entscheidet sich selten an großen Fragen. Es entscheidet sich daran, ob die Kita im Ort bleibt und ob der Bus um 15 Uhr fährt.

Wer in Oebisfelde-Weferlingen, im Sülzetal oder in einem Ortsteil der Hohen Börde Kinder großzieht, kennt die Rechnung: 20 Minuten zur Kita, 25 Minuten zur Arbeit in die andere Richtung, und der letzte Bus zurück fährt am Nachmittag. Die Kinderzahlen sinken, und mit ihnen gerät jede Einrichtung im Ort unter Rechtfertigungsdruck. In Wolmirstedt hat der Kreistag im Frühjahr 2026 Pläne zur Neuordnung der Schullandschaft erst einmal gestoppt – der Konflikt ist damit nicht gelöst, nur vertagt.

Wir halten diese Entwicklung nicht für ein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen.

Kita: das Versprechen von 15 Minuten

Wir wollen mit einem Landesprogramm „HeimatKita“ ein einfaches Versprechen für jeden Ort im Land geben: Die nächste Kindertagesbetreuung ist entweder in derselben Ortschaft oder maximal 15 Minuten entfernt. Dafür sollen auch Kleinst-Kitas finanziell, personell und organisatorisch vom Land unterstützt werden – und wo es passt, auch Tageseltern, Mehrgenerationen-Angebote oder Angebote in einem Mehrzweck-Dorfzentrum.

Das Programm „Kita STABIL“ sichert das Personal derzeit bis 2028 ab, auch bei sinkenden Kinderzahlen. Diese Übergangslösung muss nach der Wahl in eine dauerhafte Verbesserung überführt werden: den Mindestpersonalschlüssel anheben, Kitasozialarbeit fördern, Erzieher:innen besser bezahlen und sie von Bürokratie entlasten, damit mehr Zeit für die Kinder bleibt. Die Beitragsermäßigung für Mehrkinderfamilien wollen wir dauerhaft absichern, dazu soll das Land ein Modell für eine soziale Staffelung der Kitabeiträge erarbeiten.

Schule: kurze Beine, kurze Wege

Kleine Grundschulen im ländlichen Raum sollen erhalten bleiben. Dafür wollen wir einen Sonderstatus „Dorfgrundschule“ schaffen, mit jahrgangsübergreifendem Lernen, digitaler Unterstützung und multiprofessionellen Schulteams. Wo Schulgebäude nicht ausgelastet sind, sollen Kommunen sie zu Dritten Orten weiterentwickeln können – als Gemeinschaftsräume nach dem Unterricht und am Wochenende.

Sinkende Schüler:innenzahlen sind für uns kein Anlass zum Stellenabbau, sondern eine Chance auf kleinere Klassen und intensivere Betreuung. Die Entlassung von pädagogischem Personal lehnen wir ausdrücklich ab. Dass es an den Förderschulen im Landkreis schon heute schwer ist, überhaupt Lehrkräfte zu finden, zeigt, wie wenig Spielraum bleibt. Deshalb wollen wir Sonderzuschläge für Lehrkräfte, die in strukturschwachen Regionen oder in Mangelfächern unterrichten.

Und ganz praktisch: kostenfreier Zugang zu Lernmitteln, zu einem gesunden Mittagessen und zu Menstruationsprodukten. Dazu eine „Schulklo-Offensive“, damit die Toiletten an allen Schulen in einen ordentlichen Zustand kommen. Das klingt klein. Für Kinder ist es das nicht.

Der Bus muss kommen

Der Busverkehr muss flächendeckend so ausgebaut werden, dass alle Dörfer mindestens einmal pro Stunde zuverlässig erreichbar sind. Wo das nicht wirtschaftlich geht, braucht es Rufbusse und On-Demand-Verkehre – ohne Zusatzkosten für die Fahrgäste und integriert ins Deutschlandticket. Schüler:innen sollen landeseinheitlich ein subventioniertes Deutschlandticket erhalten, und der Schülerverkehr darf nicht länger aus den Regionalisierungsmitteln finanziert werden.

Dazu ein Schulwegsicherungsprogramm des Landes, das Kommunen bei der Schulwegplanung unterstützt, und sichere Radwege zwischen den Ortschaften – systematisch entlang von Landes- und Kreisstraßen ergänzt.

Wenn es schwierig wird

An jeder Schule soll mindestens eine fest angestellte Schulsozialarbeiterin oder ein Schulsozialarbeiter arbeiten, in jedem Landkreis soll ein Pool von Schulpsycholog:innen aufgebaut werden. Und wir wollen niedrigschwellige Beratungsangebote für die psychische Gesundheit von Jugendlichen ausbauen, einschließlich Krisenintervention und zusätzlicher Therapieplätze. Wer als Familie in der Börde Hilfe braucht, soll sie nicht erst in Magdeburg suchen müssen.