Wo sich noch jemand trifft: Dorfzentren für die Börde

Dorf von oben
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In vielen Orten der Börde ist der Bus die letzte öffentliche Infrastruktur. Das ist kein Schicksal – es ist eine Aufgabe.

Fragen Sie in einem Dorf im Landkreis Börde, wo man sich trifft, und die Antwort fällt oft kurz aus. Der Konsum ist zu, die Gaststätte auch, die Sparkassenfiliale sowieso. Was bleibt, ist die Feuerwehr, vielleicht ein Sportverein, vielleicht die Kirche. Und wer nicht mehr Auto fährt, kommt aus dem Ort nicht mehr heraus.

Einsamkeit ist deshalb im ländlichen Raum kein weiches Thema. Sie macht krank. Und soziale Isolation kann Radikalisierung begünstigen. Als Flächenland mit alternder Bevölkerung ist Sachsen-Anhalt hier besonders gefordert.

Moderne Dorfzentren

Wir wollen bestehende Treffpunkte sichern und neue moderne Dorfzentren ermöglichen, die mehrere Angebote unter einem Dach bündeln: Einkaufen im Dorfladen, Arbeiten an Co-Working-Plätzen, Feiern in Veranstaltungsräumen, Carsharing und Ladesäule vor der Tür – und am Ende mindestens ein Gespräch beim Kaffee.

Das ist keine Fantasie. Es funktioniert dort, wo Kommunen befähigt und finanziert werden, es zu tun. Genau dafür wollen wir ein Landesprogramm für Orte der Begegnung auflegen: für generationenübergreifende Sport-, Spiel- und Freizeitflächen, Jugendplätze, Gemeinschaftsgärten und Bürger-Cafés. Angebote, die unabhängig vom Geldbeutel offenstehen.

Auch Bibliotheken gehören dazu. Wir wollen sie zu „öffentlichen Wohnzimmern“ weiterentwickeln – als Orte, an denen man sich aufhalten darf, ohne etwas kaufen zu müssen. Dazu sollen mobile Angebote wie Fahrbibliotheken gestärkt und das Bibliotheksgesetz erneuert werden, das zuletzt 2010 reformiert wurde.

Ein Landesaktionsplan gegen Einsamkeit

Quartiersansätze wie Dorfgemeinschaftsläden, Jugendplätze, aufsuchende Altenhilfe, Mobilitätshilfen und digitale Angebote wirken – aber nur, wenn sie nicht jedes Jahr neu um ihre Existenz kämpfen müssen. Mit einem Landesaktionsplan gegen Einsamkeit wollen wir diese Maßnahmen bündeln, unterstützen und finanzieren.

Und die Feuerwehr

In vielen Bördedörfern ist die Freiwillige Feuerwehr der Ort, an dem Gemeinschaft noch organisiert stattfindet. Deshalb fordern wir eine bedarfsgerechte Erhöhung der Landeszuschüsse für Einsatzfahrzeuge, Gerätehäuser und Löschwasserentnahmestellen, deutlich bessere Aufwandsentschädigungen für aktive Einsatzkräfte und Führungspersonal sowie die vollständige und unbürokratische Erstattung des Verdienstausfalls für Arbeitgeber, deren Beschäftigte während der Arbeitszeit ausrücken. Wer tagsüber die Einsatzfähigkeit sichert, darf dafür nicht draufzahlen.

Jeder Ort, an dem Menschen sich begegnen können, ist ein Ort, an dem die Demokratie wächst.

Wahlprogramm BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt 2026

Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, warum wir Dorfzentren für Landespolitik halten und nicht für Folklore.