Wasser in der Landschaft halten – warum die Ohre-Aue unsere Zukunft ist

Blumenwiese
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Die Börde ist eine der regenärmsten Regionen Deutschlands. Wer hier Wasser wegleitet, verliert es zweimal: im Sommer für die Felder und im Winter beim Hochwasser.

Der Drömling heißt „Land der tausend Gräben“, und der Name ist Programm. Seit dem 18. Jahrhundert wurde die Niedermoorlandschaft zwischen Aller und Ohre systematisch entwässert. Was einmal Sumpf war, wurde Acker und Wiese. Heute ist der Drömling UNESCO-Biosphärenreservat und eines der größten Feuchtgebiete Deutschlands – und er kämpft mit demselben Problem wie der Rest der Börde: Es kommt zu wenig Wasser an, und was ankommt, fließt zu schnell ab.

Renaturierung ist deshalb kein romantisches Anliegen. Sie ist Vorsorge.

Was passiert, wenn man es richtig macht

Im Landkreis gibt es dafür gute Beispiele. Nördlich von Samswegen wird die Hägebachaue seit den 1990er Jahren renaturiert, um das Niedermoor vor weiterer Austrocknung zu bewahren und artenreiche Feuchtwiesen zu entwickeln. Geplant waren dort zehn Sohlschwellen zur Anhebung des Grundwasserspiegels – bis 2013 der Elbebiber einzog und die Aufgabe in wenigen Monaten mit drei eigenen Staudämmen erledigte. Der Wasserstand stieg genau so, wie es die Planung vorgesehen hatte.

Bei Calvörde wurde ein verlandender Altarm der Ohre wieder ausgebaggert und an den Fluss angeschlossen. Fischotter, Eisvogel, Libellen und Muscheln haben dort neuen Lebensraum gefunden. Und in Morsleben ist nach vierjähriger Vorbereitung die Renaturierung des Johannesteichgrabens an der Aller abgeschlossen worden.

Das funktioniert. Es dauert nur zu lange und hängt an zu vielen Einzelanträgen.

Was wir im Land ändern wollen

  • ein Förderprogramm für Auen und ein Moorschutzprogramm, damit Renaturierung nicht mehr Projekt für Projekt erkämpft werden muss
  • die Anbindung von Altarmen und die Restaurierung natürlicher Flusslandschaften, damit das Wasser mehr Raum bekommt und Hochwasserspitzen gedämpft werden
  • verstärkte Förderung der Wiedervernässung von Mooren, Waldgebieten und Nasswiesen, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren
  • Wasserrückhalt in der Agrarlandschaft – durch angepasste Fruchtfolgen, bodenschonende Bewirtschaftung, Hecken und kleinräumige Retentionsbecken

Und einen Punkt, der gerade Landwirt:innen betrifft: Die bürokratischen Hürden für Bau und Betrieb von Stauanlagen in Entwässerungsgräben müssen sinken. Wer auf eigenen Flächen Wasser zurückhalten will, soll dabei unterstützt und nicht ausgebremst werden. Eigeninitiative gehört honoriert.

Der Zusammenhang mit dem Boden

Die Schwarzerden der Börde gehören zu den fruchtbarsten Böden Europas. Ihre Fruchtbarkeit hängt an zwei Dingen: an Humus und an Wasser. Beides lässt sich nicht importieren. Wer die Aue aufgibt, gibt am Ende auch den Ertrag auf.