Ein Landschaftspflegehof für die Börde

Naturschutz scheitert selten am Willen. Er scheitert daran, dass niemand die Zeit, die Maschinen und die Zuständigkeit hat.

Eine Hecke pflanzen ist einfach. Sie zwanzig Jahre lang zu pflegen, ist die eigentliche Arbeit. Genauso beim Magerrasen, der beweidet werden muss, bei der Streuobstwiese, die geschnitten werden will, beim Feuchtgrünland, das eine späte Mahd braucht. Diese Arbeit fällt heute zwischen alle Stühle: Die Untere Naturschutzbehörde hat kein Personal dafür, die Landwirtschaft hat keinen Auftrag, und die Ehrenamtlichen der Naturschutzverbände werden älter.

Deshalb steht in unserem Wahlprogramm eine Forderung, die im Landkreis Börde unmittelbar umsetzbar wäre: der Aufbau von mindestens einem Landschaftspflegehof pro Landkreis zur Biotopentwicklung.

Was so ein Hof leistet

Ein Landschaftspflegehof ist keine Behörde und kein Naturschutzverein. Er ist ein Betrieb mit Maschinen, Personal und Weidetieren, der Pflegeaufträge übernimmt: Hecken schneiden, Streuobst pflegen, Trockenrasen beweiden, Gewässerränder mähen, Ausgleichsflächen dauerhaft betreuen. Er arbeitet im Auftrag von Kommunen, Landkreis, Naturschutzbehörde und Flächeneigentümer:innen.

Der Effekt ist dreifach: Lebensräume werden nicht nur angelegt, sondern erhalten. Es entsteht regionale Wertschöpfung mit festen Arbeitsplätzen vor Ort. Und die Zusammenarbeit zwischen Landwirt:innen, Kommunen und Naturschutz wird von einer Dauerkonfliktlinie zu einer Geschäftsbeziehung.

Warum das in der Börde besonders passt

Wir haben hier eine sehr ausgeräumte Agrarlandschaft und gleichzeitig wertvolle Reste: den Flechtinger Höhenzug, das Hohe Holz bei Eggenstedt, die Auen von Ohre, Aller und Bode, die Moordammkulturen im Drömling. Diese Flächen brauchen jemanden, der sich kümmert – regelmäßig, nicht projektweise.

Dazu passt ein zweiter Punkt aus unserem Programm: Wir wollen die Kulturlandschaftspflege durch Beweidung mit Schafen und Ziegen gezielt fördern. Damit das wirtschaftlich trägt, braucht es auskömmliche Vermarktungsbedingungen für Wolle, Fleisch sowie Schaf- und Ziegenmilch. Und wir wollen die Förderung für den Streuobstanbau verbessern, der für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume bietet.

Naturschutz mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie

Uns ist wichtig, wie das gedacht ist: Landwirtschaft gelingt nur im Einklang mit der Natur, nie gegen sie. Und Naturschutz, der Landwirt:innen nicht als Partner:innen versteht, wird scheitern. Wir befürworten deshalb kooperative Konzepte, bei denen sich Betriebe zusammenschließen und Naturschutzmaßnahmen betriebsübergreifend umsetzen. Das senkt am Ende auch den Verwaltungsaufwand erheblich – für alle Beteiligten.